Interview mit Frank Zimmermann von DECIHELL

Vor sechs Jahren bin ich auf dem WITH FULL FORCE Festival zwischen Fressbuden und Merchständen auf einen ganz besonderen Stand aufmerksam geworden. Dort boten zwei Typen Businesshemden und Poloshirts an. Sehr untypisch für ein Metalfestival. Bei diesen beiden Typen handelte es sich um das Start-Up DECIHELL aus Regensburg. Kurze Zeit später fanden auch die ersten Hemden den Weg in meinen Kleiderschrank. Umso mehr freut es mich, dass sich Frank Zimmermann, der Gründer von DECIHELL heute die Zeit für ein Podcast Interview mit mir genommen hat. Ich sprach mit ihm über das Gründer-Dasein, wie man trotz Rückschlägen am Ball bleibt und was Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist.

Hier geht es zur aktuellen Folge auf Spotify!

Marcus: Hallo Frank, DANKE, dass du heute Gast in meinem ersten Interview bist. Stell dich doch bitte mal vor und berichte uns was DECIHELL eigentlich ist.

Frank: Ja, mein Name ist Frank Zimmermann und ich bin der Gründer von DECIHELL – Business Clothes for Rockers. Die Grundidee war, dass der allgemeine Metalhead, wenn er nicht gerade auf einem Festival ist ja irgendwo seine Brötchen verdient. Außerdem werden wir gemeinsam mit unseren Lieblingsbands älter und da gibt es sicherlich den ein oder anderen, der eben nicht mehr mit dem Slayer T-Shirt ins Büro gehen kann. Und da war DECIHELL geboren. Wir wollten eine Marke gründen in der man sich über die Stickerei auf dem Hemd ganz dezent als Metalhead outen kann.

Decihell
Das Start-Up Decihell präsentiert "Business Clothes for Rockers"

Marcus: Ich selbst habe euch 2013 auf dem WITH FULL FORCE Festival kennengelernt. Ihr hattet dort einen Stand und wart ganz am Anfang. Was ist seitdem passiert?

Frank: Ja, das ist einem rückblickend schon fast peinlich. Wir waren damals mit nur zwei Designs vor Ort. Ein Hemd und ein Poloshirt. Aber wir wollten mutig sein und Flagge zeigen. Und im Nachhinein war das eine tolle Idee. Weil wir dadurch immer noch Bestellungen erhalten oder jetzt zum Beispiel den Kontakt zu dir haben. Was für den Möbelbauer die Messe ist, das sind für uns die Festivals. Mittlerweile sind wir im vierten Jahr und haben auch einige Band Editionen machen dürfen wie zum Beispiel mit Till Lindemann, Heaven Shall Burn oder Sepultura. Wir sind stetig gewachsen und haben mittlerweile über zehn verschiedene Designs, Manschettenknöpfe und auch Gürtel. Leben können wir noch nicht davon, allerdings haben wir uns auch vorgenommen, die ersten 5 Jahre alles was reinkommt wieder zu reinvestieren. Ich würde uns also immer noch als Start-Up bezeichnen.

Das Team hinter der Marke DECIHELL
Das Team hinter dem Label
Frank bei der Arbeit
Frank bei der Arbeit

Marcus: Du hast es gerade angesprochen, wie kommt es denn zu Kooperationen mit Größen wie Till Lindemann oder Heaven Shall Burn? 

Frank: Unterschiedlich. Bei Sepultura beispielsweise kam das deutsche Management auf uns zu. Bei Heaven Shall Burn habe ich den deren Frontmann einfach auf Facebook angeschrieben ob er nicht Lust auf einen Schwung neue Hemden hat. Da haben wir uns dann vor einem Konzert in München im Tourbus getroffen und das ganz locker gemacht. Bei Lindemann wiederrum hat uns jemand angeschrieben ob wir ihm mal ein Hemd schicken könnten, er würde da ein paar Musiker kennen. Im Nachhinein hat sich das rausgestellt, dass es ein Kumpel vom Till war. Und so läuft es immer noch. Die Idee gibt es her, dass man auch direkt auf die Kontakte zugeht und dann ins Gespräch kommt.

Marcus: Was war denn in den letzten vier Jahren eine große Hürde für euch oder wie geht ihr generell bei euch mit Rückschlägen um?

Frank: Eine große Hürde war am Anfang überhaupt den Ball ans Laufen zu kriegen, durchzuhalten und ein Gefühl dazu kriegen, dass es sich auch anfühlt wie ein Label oder ein Onlinehandel. Du musst halt dranbleiben und dann abends nach der Arbeit dich trotzdem hinsetzen, Social Media Posts verfassen, in Facebook Gruppen posten, etc.. Wichtig ist auch zu sagen „wir hören jetzt nicht auf nur weil es vielleicht grade mal etwas ruhiger ist“. Ein Fauxpas war aber beispielsweise, dass bei einer Lieferung der Heaven Shall Burn Hemden die Schachteln mit denen unserer eigenen Kollektion vertauscht wurden. Da haben dann einige Kunden unser Hemd in einer HSB Schachtel erhalten und bei Impericon kamen dann HSB Hemden in einer DECIHELL Schachtel an. Da bist du dann manchmal schon am Verzweifeln. Aber am Ende musst du dann halt ehrlich sein und dann haben die Leute auch Verständnis für.

Marcus: Welchen Tipp hast du für Menschen, die eine Idee mit sich rumtragen, aber noch mit der Umsetzung hadern.

Frank: Was ich jeden raten kann, der meint eine geile Idee zu haben: Nich zu lange denken! Wenn es zeitlich und finanziell möglich ist, dann einfach anfangen. Ich selbst bin jemand der da gerne nach vorne prescht, den man vielleicht eher mal bremsen muss. Aber daher ergänzen wir uns gut. Am Anfang waren wir ja zu zweit. Mittlerweile sind wir zu dritt. Oft kriege ich dann von den anderen beiden das Feedback „man gut das wir es gemacht haben“. Klar passieren dann auch mal Fehler, aber am Ende bringt es dich immer weiter.

Die DECIHELL Hemden kommen in einer edlen Schachtel
Das Flaggschiff des Labels sind die Business Hemden.

Marcus: Ihr lasst eure Hemden ja von einem Partner aus Portugal produzieren, für Werbung nutzt ihr beispielsweise Freelancer. Was ist euch da bei einer Zusammenarbeit wichtig, extern, aber auch intern unter euch drei Teilhabern.

Frank: Ein ganz großer Punkt ist an der Stelle Ehrlichkeit. Wenn das nicht klappt, dann kannst du gleich dicht machen. Ehrlichkeit, Loyalität und Augenhöhe, das sind für mich die wichtigsten Dinge für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Marcus: Was plant ihr noch für die Zukunft? Wo soll die Reise hingehen?

Frank: Am besten natürlich ein komplettes Outfit für den Businessrocker. Aktuell arbeiten wir für Herbst / Winter an einem Pullover. Mit Klamotten kann man ja alles machen, aber ein Outfit für die ganze Woche oder vielleicht sogar ein Anzug wäre schon cool. Innenwesten sind zum Beispiel auch gerade im Trend. Wichtig ist am Markt zu sein, darauf zu hören was die Leute nachfragen und was man natürlich selbst gerne trägt. Flaggschiff bleiben aber erstmal unsere Hemden.

Marcus: Jetzt hatte ich ja vor kurzem einen Beitrag geschrieben über Tattoos im Job. Da interessiert mich deine Erfahrung. Öffnet sich die Gesellschaft dafür oder ist das immer noch ein No-Go?

Frank: Also ich sehe das ganz klar in eine Richtung gehen wo die Arbeitgeber offener damit umgehen. Ich selbst arbeite in der Finanzdienstleistung und da lernst du Mitarbeiter kennen mit Tattoos oder Tunnel im Ohr. Das muss dann schon ein ganz verrückter Laden sein, wenn da gar keine Akzeptanz für da ist. Aber generell haben wir nicht mehr die Situation wie vor 15 Jahren, als es einen großen Aufschrei gab, wenn da mal jemand mit Tattoo reinkam. Ich denke die Gesellschaft ist dafür mittlerweile ziemlich offen.

Marcus: Möchtest du zum Schluss was loswerden? Wo trifft man euch demnächst?

Frank: Also im August sind wir auf dem Summerbreeze Festival anzutreffen. Wenn jemand Durst hat, wird er auch kühle Getränke bei uns vorfinden. Ansonsten möchte ich allen die uns bereits kennen und uns unterstützen Danke sagen. Seid gespannt, wir rackern weiter und haben coole Ideen.

Ich bedanke mich recht herzlich bei Frank und dem gesamten DECIHELL Team für das Interview. Macht weiter so!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.