Holokratie Arbeiten ohne Hierarchien

Holokratie: Vision – Vorteile – Kritik

Ein Managementsystem für eine volatile Welt

Effektives Arbeiten ohne Chef*in? Das kann nicht funktionieren und wird unweigerlich im Chaos enden, oder? Anderer Meinung sind die Befürworter der Holokratie (auch Holakratie). Doch was ist Holokratie eigentlich, welche Vorteile bietet sie und was sagen ihre Kritiker?

Die Anforderungen an Unternehmen haben sich im Laufe der vergangenen Jahre und Jahrzehnte stark verändert. Man umschreibt dieses Phänomen mit dem Begriff VUCA. VUCA ist ein Akronym und steht für die vier Begriffe Volatil, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität. Wir sprechen auch davon, in der VUKA-Welt zu leben. Vor allem der Begriff volatil erfordert ein Umdenken seitens eines modernen Unternehmens. Ein autoritärer Führungsstil, bei dem die Mitarbeiter nicht einbezogen werden, lässt sich aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen nicht mehr durchsetzen. Vor diesem Hintergrund kommt dann die Holakratie ins Spiel. Verkürzt bedeutet dieses Prinzip eine Unternehmensführung ohne Chef. 

Der Begriff stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den beiden Worten „holos“ (zu Deutsch: ganz bzw. vollständig) und „kratie“ (= Herrschaft) zusammen. Ziel der Holakratie ist es demnach, möglichst alle Mitarbeiter eines Unternehmens in die Verantwortung einzubinden und an Entscheidungen zu beteiligen. Als Erfinder des holokratischen Führungsstils gilt der US-amerikanische Unternehmer Brian J. Robertson, ein Verfechter agiler Unternehmenssysteme.

Jeder ist Führungspersönlichkeit

Wie bereits angedeutet, müssen moderne Unternehmen flexibel auf die Anforderungen des heutigen Marktes reagieren. Eine solche Flexibilität lässt sich mit Unternehmensstrukturen mit einer starren Hierarchie kaum erreichen. Holacrazy verspricht hingegen ein dynamisches Reagieren, indem auf vier folgende Prinzipien gesetzt wird:

• agile Methoden
• kollektive Intelligenz
• Ansätze aus der Kybernetik
• Selbstorganisation der Mitarbeiter

Der holokratische Ansatz legt die Verantwortung für den Fortschritt des Unternehmens nicht mehr nur in die Hände einer Person, sondern verteilt die Verantwortung auf jeden einzelnen Mitarbeiter. Jeder Mitarbeiter wird dazu ermutigt, Entscheidungen zu treffen. Dadurch wird jeder Angestellte zu einer Führungspersönlichkeit – Transparenz ist die Folge.

Holacrazy = Chaos?

Auch der holokratische Ansatz folgt bestimmten Regeln. So nehmen alle Mitarbeiter verschiedene Rollen ein und sind nicht mehr nur Führungskraft, Abteilungsleiter oder zuständig für einen kleinen Teilbereich. Sie sind in Kreisen organisiert, in denen die Zuständigkeiten klar verteilt sind. Die Kreise folgen also durchaus einer Hierarchie und sind ihrerseits wiederum Bestandteile anderer Kreise. Wenn ein Kreis zu groß werden sollte, lässt er sich flexibel in Unterkreise gliedern.

 

Gegenüberstellung der Traditionellen Hierarchie und der Holokratie.

Häufige Rollenwechsel

In einem holokratisch ausgerichteten Team wird ein Mitarbeiter deutlich häufiger seine Rollen wechseln und dadurch seinen Arbeitsbereich erweitern als in starren Führungsmodellen. Auch abseits der Kreise können Mitarbeiter unterschiedliche Rollen einnehmen, was dazu führt, dass das Unternehmen dynamisch bleibt und flexibel auf Änderungen reagieren kann.

Kritische Stimmen – Nicht jeder ist ein Alphatier

Viele Experten sind der Meinung, dass sich der holokratische Ansatz nur für kleinere Unternehmen und nicht für große Konzerne eigne. Doch warum vertreten diese Experten diese Ansicht?
Abhängig von der Größe des Unternehmens und den Eigenheiten der Mitarbeiter besteht unter Umständen der ausdrückliche Wunsch nach Führung und der damit verbundenen Verantwortung durch einen Vorgesetzten. Nicht jeder Mensch möchte unternehmerische Entscheidungen treffen und die damit verbundene Verantwortung tragen. Nicht jeder Mitarbeiter kann mit entsprechenden Freiheiten und Entscheidungsspielräumen umgehen. Zudem setzt der holokratische Ansatz darauf, dass sämtliche Beteiligte ihre Rollen annehmen. Wenn dies nicht geschieht, ist Scheitern oftmals die Folge. Insbesondere bei Unternehmen, die lange Zeit einen autoritären Führungsstil gepflegt haben, kann dies zu einem Verlust von Führungskräften und Mitarbeitern führen. Junge Unternehmen, bei denen es noch keine tradierten autoritären Führungsstile gibt, sind daher klar im Vorteil, was einen gelingenden holokratischen Ansatz betrifft.

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