Sind Tattoos im Job erlaubt?

Tattoos im Job / Tattoos als Führungskraft

Sind sie erlaubt? Tätowierungen im Berufsleben 

Die Zahl der Träger*innen von Tattoos hat in den letzten Jahren bedeutend zugenommen. Die Gruppe, die für sich genommen anteilsmäßig die meisten Tätowierten aufweist, ist die der jungen Frauen unter dreißig Jahren. Mindestens ein Drittel von ihnen trägt angeblich ein Tattoo. Aber auch immer mehr junge Männer begeben sich in die Hände eines Tätowierers oder einer Tätowiererin. Wenn Du ein Tattoo hast, von dem Du überzeugt bist, wirst Du Dir vermutlich weniger Gedanken machen um seine Akzeptanz als jemand, der seine Tätowierung, aus welchen Gründen auch immer, inzwischen bereut. So oder so: Die Außenwelt kennt nicht die Geschichte zu einem sichtbaren Tattoo. Daher gebe ich hier Informationen zu Tattoos im Job allgemein, ob sie vom Träger (Damen miteingeschlossen) nun gern gezeigt werden oder nicht (mehr).  

Zunehmende Toleranz bei Tattoos am Arbeitsplatz
Für die Tattooträger*innen zuerst eine gute Nachricht in puncto Karrierechancen: Die Toleranz gegenüber sichtbaren Tätowierungen im Job stieg zusammen mit der Zahl der Tätowierten. Dennoch betrachten viele Menschen Tätowierungen nach wie vor nicht als etwas Selbstverständliches; manche lehnen sie sogar rigoros ab oder finden sie nur für genau zwei Berufsgruppen passend: Seeleute und Tätowierer*innen. Tattoos polarisieren. Die einen mögen sie, anderen sind sie schlicht egal und wieder andere finden sie unattraktiv, gegebenenfalls sogar unabhängig von ihrer Gestaltung. Dass selbst künstlerisch gelungene dekorative Tattoos auf Ablehnung stoßen können, liegt an der Art des Körperschmucks: Er zeigt eben nicht nur ein Motiv, sondern auch die Tatsache, dass der Träger oder die Trägerin bei der Entscheidung zum Motiv seine Langfristigkeit mit einkalkuliert hat. Das ist der Grund, weshalb Tattoos niemals seriöser wirken können als unbehandelte Haut. 

 

Sichtbare Tattoos im Beruf
Die Akzeptanz für sichtbare Tätowierungen im Job nimmt zu.

Wo sitzen sie denn? Die unsichtbaren Tattoos im Büro 
Allerdings sollten Tattoos im Job dort keine Schwierigkeiten bereiten, wo sie von Kleidung bedeckt werden. Das gilt für die Führungskraft mit Tattoos wie für jeden anderen Mitarbeiter. Denn letztendlich sind Tattoos Privatsache, und bei einem Bewerbungsgespräch darf nicht verallgemeinernd nach einem Tattoo gefragt werden. Doch Bewerber*innen müssen korrekt auf die Frage antworten, ob sie ein Tattoo tragen, das im Job sichtbar wäre. Denn die Führungskraft bestimmt das Bild, welches ihr Unternehmen in der Öffentlichkeit präsentieren möchte.

Wenn sie meint, das Zeigen eines Tattoos passe nicht zum Leitbild der Firma, kann es schwierig werden, dem etwas entgegenzuhalten. Doch wie gesagt: Die Toleranz zu Tätowierungen im Berufsleben ist enorm gestiegen. Mein Rat ist es daher, offen mit eigenen, sichtbaren Tätowierungen umzugehen und im Bewerbungsgespräch mit Auftreten und Qualifikationen zu überzeugen. Wenn die Tätowierung auch mit sommerlicher Berufskleidung nicht sichtbar wäre, ist sie sowieso kein Thema, das für die Berufsaussichten eine Rolle spielen würde.

Sichtbare Tattoos im Job als mögliches Problem
In diesen Bereichen solltest Du jedoch damit rechnen, dass Tattoos am Arbeitsplatz vermutlich unerwünscht sein werden: 

  • Unternehmen, bei denen Kund*innen zu langfristigen Geldanlagen beraten werden, also beispielsweise Banken und Versicherungen.
  • Airlines; wer im Flugdienst eine Karriere anstrebt, sollte sich früh und genau informieren, bei welcher Fluggesellschaft das Zeigen von Tattoos im Dienst unter Umständen erlaubt ist. 
  • der medizinische Bereich. Eine Führungskraft mit Tattoos in Person eines Arztes / Ärztin wirkt auf einige Patient*innen oft leider nicht vertrauenerweckend. Verallgemeinern lässt sich das aber nicht. Und so bleibt es eine Entscheidung der Krankenhausleitung, ob sie eine medizinische Fachkraft mit sichtbarem Tattoo einstellt oder nicht.

Und was ist mit Tattoos im Öffentlichen Dienst?
Auch hier gilt: Wenn eine Tätowierung unter der Bekleidung verdeckt bleibt, spielt sie keine Rolle für den Job. Und selbst sichtbare Tattoos im Büro oder in einem anderen Einsatzbereich im Öffentlichen Dienst sind kein generelles Tabu mehr. Das gilt auch für den Polizeidienst. Hier kommt es auf das Bundesland an, in dem man sich bewirbt; so sind in Baden-Württemberg seit 2017 „dezente“ Tattoos, sichtbar mit Uniform, erlaubt, und für Berlin sind Unterarmtätowierungen kein Ausschlusskriterium mehr für Bewerber*innen. Selbstverständlich bleibt, dass sexistische, extremistische oder gewaltverherrlichende Tattoogestaltungen für Mitarbeiter*innen im Öffentlichen Dienst verboten sind, und auch religiöse Motive sind eher nicht erwünscht. 

Selbstständige Unternehmer*innen
Wenn Du Dein(e) eigene(r) Chef*in bist, dann kann Dir – fast – niemand verbieten, im Berufsleben Dein Tattoo wie im Privatleben zu zeigen. Nur dann, wenn ein Tattoo gegen Gesetze verstößt, etwa weil es volksverhetzend wirken würde, darf es öffentlich nicht gezeigt werden. Die meisten Tattoos jedoch sind Ausdruck von persönlichen Gefühlen und ästhetischen Vorlieben und ohne degradierende Botschaft, und wer sich für ein Tattoo bereits entschieden hat und bei dem das Motiv künstlerisch angemessen umgesetzt wurde, der sollte mit ihm durch sein Berufsleben gehen. Es sei denn, das Tattoo würde eine gesundheitliche Gefährdung darstellen.

 

Ich als tätowierte Führungskraft plädiere im übrigen für Vielfalt & Toleranz. Egal ob Büro, Außendienst, Lager, Krankenhaus oder Freizeit <3

Ein Hinweis zum Schluss:

Bitte beachte, dass dieser Beitrag keine arbeitsrechtliche Beratung ersetzt und ich keine Haftung für die Angaben übernehme. Suche im Zweifel den Dialog mit deiner Führungskraft, eine(er)m Jurist*in oder anderen Beratungsstellen.

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